“Mein Vater ist General. Meine Brüder kämpfen, ich kämpfe. Ich kämpfe und kenne nichts anderes. Meine Mutter lebt seit 20 Jahren in Deutschland. Sie will, dass ich herkomme, sie hat Angst um mich. Jetzt bin ich hier. Ich will hier nicht sein, wollte nie weg von der Peshmerga. Ich habe keinen Job. Mein Onkel zahlt für die Wohnung. Es ist sauber, ich halte es sauber.”

Kovan im April 2017


































“Du schießt, weil Du musst. Du musst, weil sonst Dein Freund neben Dir stirbt. Und weil ein anderer schon lange lange tot ist. Du schießt, weil Du musst, weil wenn Du nicht schießt, dann schießt der Andere, schießt auf Deinen Freund. Oder hat längst geschossen.”



Karzan Hasan Hamazaki vor dem Haus, in dem er mit seinen drei Söhnen und seiner Frau seit Januar 2016 lebt.
Karzan Hasan Hamazaki ist 39 Jahre alt und diente in der Peshmerga während des ersten und des zweiten Golfkriegs. Als Offizier hatte er mehrere Einheiten unter seinem Kommando im Krieg gegen den sogenannten Islamischen Staat.




































“Ich lebe in Hallabscha, mein Leben lang. Ich kenne meine Nachbarn, das ist wie in einem Dorf. Die Stadt ist zur Hälfte von ISIS besetzt. Ich lebe mit meiner Tochter und meiner zweiten Frau in dem Teil von Hallabscha, den ISIS nicht kontrolliert. Mein Sohn lebt im anderen Teil, bei meinem Vater und meinem Bruder. Meinen Nachbarn sehe ich kaum noch, irgendwann hat er einen Bart, trifft sich mit anderen bärtigen Männern. Er hat sich ISIS angeschlossen und ich weiß es. Er weiß, dass ich es weiß und droht mir. Ich verrate ihn. Er verrät mich. Ich bekomme Anrufe, immer wieder, jemand schießt auf unser Haus. Ich fliehe in der gleichen Nacht, mit meiner Tochter und meiner Frau. Meinen Sohn lasse ich zurück.”




Hikmat im Juli 2017























“Ich habe ab 1982 gekämpft. Meine Frau hat dreizehn Jahre lang nicht geschlafen. 1995 sind wir geflohen, seit 1996 leben wir in Deutschland. Ich habe Träume, Bilder in meinem Kopf, vom Krieg. Das ist zwanzig Jahre her, aber das vergisst Du nicht.”




Faraidun Kader im August 2017


















































“Sie greifen uns nachts an, wir tragen keine Uniformen. Wir liegen in diesem Haus, wir rennen raus, als wir sie hören. Wir sehen nichts. Es ist dunkel und neblig. Ich schieße, alle schießen, alle rennen durcheinander. Ich erkenne den Offizier nicht, als ich auf ihn schieße. Der Offizier liegt da, ein Schuss durch sein Bein, zwei durch seinen Bauch. Meine Schüsse. Der Offizier liegt lange im Koma. Am Tag, als er stirbt, trifft eine Handgranate mein Haus, unser Haus, das Haus, in dem meine Frau und meine drei Kinder leben. Wir fliehen ein paar Dörfer weiter. Aber du kannst dich nicht verstecken. Nachts müssen wir weiter. Ich kann nicht zurück. Wenn ich zurück gehe bin ich tot.”




Mohamad Farhan Khdir im Mai 2017















I LEFT MY SON IN HALLABSCHA zeigt ehemalige Peshmerga-Kämpfer, die in Deutschland Asyl suchen.

Ein Auszug aus dem Projekt wurde im UniSPIEGEL 05/2017 veröffentlicht:

Zurück in den Krieg, UniSPIEGEL